Hallo Mitreisende,
das Wichtigste zuallererst: GP ist wieder fahrtüchtig! Die ganze Sache zog sich allerdings noch etwas hin. Nachdem Jonas und Toby H. auf freier Strecke zweimal die Kabel vom Motorraum zu den Benzinpumpen getauscht hatten, sahen wir nochmals weiße Wölkchen aufsteigen –nein, kein neuer Papst, sondern zum wiederholten Mal ein Kabelbrand. Wir entschieden daher, das Auto die letzten Kilometer abzuschleppen und in Kars eine Werkstatt zu suchen. Tobi L., Marcus und Patrik gingen als Scouts los in die Stadt, um eine Werkstatt und auch den Lagerplatz ausfindig zu machen. Dazu versuchten sie auch, sich mit Nadir (Mitglied des OK) zusammenzutelefonieren und ihn um Hilfe zu bitten. Mittlerweile war es auch dunkel geworden, was die Sache nicht gerade vereinfachte. Die drei Scouts begannen sich also durchzufragen, konnten aber keine Werkstatt finden. Danach gings Richtung Fahrerlager, wo sie die anderen Teams nach einer Ersatzpumpe fragten. Tobi wurde gleich beim ersten Team fündig, zwar mit einer VW-Pumpe, aber die anderen versicherten ihm, dass man „das ganz einfach umfrickeln“ könnte. Schließlich traf sich das ganze Team wieder wie vereinbart an einer Tankstelle, wo die vier anderen in der Zwischenzeit einen Mechaniker ausfindig gemacht hatten. Die Kommunikation fand mal wieder mit Händen und Füßen statt, da keiner der insgesamt 6 (!) anwesenden Türken auch nur ein Wort Englisch sprach.

Trotzdem begann gleich der Smalltalk, wobei auch politische Themen nicht ausgelassen wurden… sehr spannend! J Der Mechaniker Mehmet bat uns, ihm mit den Autos zu seiner Werkstatt zu folgen. Diese befand sich ca. 5 km außerhalb von Kars. Dort angekommen gings für unseren GP ab auf die Hebebühne, wo sich Jonas und Toby gemeinsam mit Mehmet und 3 anderen mehr oder weniger technisch begabten Türken an die Reparatur machten. Auch hier musste die Verständigung mit Händen und Füßen klappen, wobei sich die Türken grundsätzlich nicht beirren lassen… wenn man ihnen zu verstehen gibt, dass man kein Türkisch spricht, erzählen sie dasselbe nochmal, nur lauter. Also nicht ganz einfach, Toby und Jonas haben die Sache aber gemeistert. Für die vier anderen gabs in der Zwischenzeit nicht viel zu tun, außer einige Ratschläge zu geben und Tee zu trinken, den wir frisch gebrüht serviert bekamen. Der Zustand der Werkstatt erstaunte uns alle, ein unglaubliches Chaos an Werkzeugen, Ersatzteilen und alten Fahrzeugen… schaut Euch einfach die Bilder an. Nach ca. 2 Stunden konnte das Problem behoben werden: Die erste Benzinpumpe hatte sich festgefressen und deshalb wesentlich mehr Strom gezogen, als die Kabel verkraften können – deshalb die mehrfachen Kabelbrände. Das deutsch-türkische Mechanikerteam baute diese Pumpe auseinander und ersetzte deren Innenleben. Danach hatten wir wieder Sprit im Motor und konnten –zu unserer Beruhigung- wieder dem Ziel Baku entgegensehen. Nach erfolgreicher Reparatur und tausendfachem Dank für die schnelle und freundliche Hilfe mitten in der Nacht (mittlerweile war es 23.30 Uhr). Weiter gings zum Nachtlager auf dem Cumhuryiet-Platz mitten in Kars.

Heute morgen gings nach einem sehr kurzen Frühstück weiter mit einer Ansprache des Bürgermeisters von Kars und der Aufführung eines traditonellen regionalen Volkstanzes. An die lokale Musikschule wurden unsere Instrumente übergeben, danach wurden wir von der Polizei zum Dorf Karahan eskortiert, wo alle Teams ihre gebauten Archen abgeben und zu Wasser lassen durften.
Wir erzielen mit unserem Wunderbauwerk immerhin 9 von 10 Punkten! Und schwimmfähig ist sie auch, trotz der knappen Zeit aufgrund der Reparatur.
Wir verabschiedeten uns wieder von Karahan und machten uns auf den Weg nach Tiflis, nächster Zwischenstopp georgische Grenze. Auch hier wurden wir wieder von der Polizei eskortiert, der Weg zur Grenze führte wieder einmal durch atemberaubende Landschaften mit unglaublich wenigen, kleinen Dörfern. Beim Grenzübertritt hatten wir Hilfe vom Gouverneur, sodass wir in relativ kurzer Zeit passieren konnten. In Georgien ankommen verstanden wir auf den Schildern erstmal nur Bahnhof… Georgien hat eine eigene Schrift! Nach kurzer Zeit trafen wir auf einen Polizisten, der uns erklärte, dass er uns (also allen Rallyeteams) Geleitschutz gibt und alle auf die Hauptstraße nach Tiflis führen soll. Hier half und George aus Georgien, ein Tabler, den wir auf dem AGM 2010 in Überlingen kennen gelernt hatten, beim Übersetzen. Das klappte auch hervorragend, wir machten noch einen kurzen Zwischenstopp zum Tanken (Super 95 kostet umgerechnet ca. 1,10 EUR) und machten dann mit George einen Treffpunkt aus. Das klappte dieses Mal problemlos, nach ca. 200 km Fahrt ab der Grenze trafen wir George auf der Straße im Verkehr. Er hatte bereits ein Hostel für uns organisiert, zu dem wir direkt fuhren und eincheckten. Danach zeigte er uns noch ein sehr schönes georgisches Restaurant (mal wieder von der Sorte „Da-würde-ich-alleine-nie-reingehen“), in dem wir uns endlich mit einem ordentlichen warmen Essen belohnten. So gestärkt machten wir noch einen kurzen Rundgang durch die Stadt…. UNGLAUBLICH!! Der helle Wahnsinn, was die Georgier in nur 8 Jahren aus ihrer Hauptstadt gemacht haben! Schaut Euch einfach die Bilder an, auch wenn diese wieder einmal nur einen unzureichenden Eindruck vermitteln können.
Nun geht’s in die Heia, wir haben wieder einmal eine Zeitzone passiert und haben aktuell 01.00 Uhr nachts ( MESZ +2h).
Grüße & Gute Nacht aus Tiflis,
das Rallyeteam
PS: Im Hotel haben wir WLAN, daher heute ein paar mehr Bilder!